Entlastungs-Straße: Vergleiche hinken

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Warum ein Vergleich der aktuell diskutierten „Entlastungsstraße“ mit der 2013 per Bürgerentscheid abgelehnten Staatsstraße 2063neu ins Leere führt, erklärt IGG Gemeinderat Dr. Benno Stübner

 

Aktuell werden die Vor- und Nachteile einerEntlastungsstraßevon der A96 ins Gewerbegebiet heftig diskutiert. Die im Bürgerentscheid von 2013 mit Zweidrittel-Mehrheit abgelehnte Staatsstraße 2063neu (St2063 neu) wird dabei oft zum Vergleich herangezogen.

 

Diese Diskussion ist mit Vorsicht zu genießen, da die Entlastungsstraße noch längst nicht definiert ist. Zurzeit gibt es zwei Vorschläge: eine Trassenführung von der A96 ins Gewerbegebiet/ Seeholzenstraße und eine von der A96 bis zur Einmündung der Großhaderner Straße in den Neurieder Weg. Wenn ein Vergleich mit der damals geplanten St2063neu überhaupt sinnvoll ist, dann der mit der zweiten Variante.

 

Gesamtverkehrskonzept statt isolierter Planung

 

Allerdings: Bei den jetzigen Planungen handelt es sich – im Gegensatz zu den Vorschlägen von 2013 – um ein Gesamt-Verkehrskonzept. Im Gemeinderat wurde am 30. Januar 2018 ein Verkehrsberuhigungskonzept beschlossen, dessen Ziel es ist, bis 2030 den Durchgangsverkehr nachhaltig zu reduzieren und die Wohngebiete zu schützen. Obendrein wird ein attraktives, modulares Mobilitätsangebot angestrebt, das den Umstieg zwischen den Verkehrsmitteln einfach und komfortabel macht.

 

Zu den Vergleichen zwischen Entlastungsstraße und St2063neu ist festzustellen:

 

  1. Die St2063neu hätte einen erhöhten Schleichverkehr auf den Nord-Süd-Wohnstraßen, wie Maria-Eich-Straße, Rottenbucherstraße und Würmstraße zur Folge gehabt, da die Pasinger Straße zurückgebaut und unterbrochen worden wäre. Die Entlastungsstraße dagegen führt zu einer Verminderung des Verkehrs auf der Pasinger Straße auch dann, wenn sich der Verkehr aus den Wohngebieten durch Verkehrsberuhigungsmaßnahmen wieder z.T. auf die Pasinger Straße verlagert.
  1. Die St2063neu hätte die Pasinger Straße um rund 10.000 Kfz entlastet, dagegen die Würmtalstraße um 10.000 Kfz mehr belastet. Da sich somit der Verkehr auf der Würmtalstraße verdoppelt hätte, wäre laut Immissionsschutzverordnung eine Schallschutzwand an der Würmtalstraße mit entsprechenden Kosten notwendig gewesen.
  2. Die aus dem Jahr 2010 stammende Kostenschätzung für die St2063neu betrug 11,59 Mio plus Kostensteigerung. Die Kosten für die Variante Nr.2 der Entlastungsstraße betragen dagegen 5,45 Mio plus Ausbau des Neurieder Wegs.
  1. Die St2063neu hätte wegen des vierspurigen Ausbaus und der aufwendigen, langen Zufahrten eine höhere Bodenversiegelung zur Folge gehabt.

 

Reduzierung des Autoverkehrs bleibt große Herausforderung

 

Wenn es dem Gemeinderat gelingt, durch die Umsetzung seiner gefassten Beschlüsse eine Verkehrsentlastung in den Wohngebieten sowie eine Kanalisierung des Verkehrs durch den Ort herbeizuführen, bleibt es eine große Herausforderung, den motorisierten Verkehr deutlich zu reduzieren. Denn der Quell- und Zielverkehr in Gräfelfing liegt bei 47% und der innerörtliche Binnenverkehr bei 23%. Das entspricht 81.000 Fahrzeugen in 24 Stunden. Darauf haben die Bürgerinnen und Bürger Gräfelfings unmittelbaren Einfluss, indem sie andere Formen der Mobilität nützen (zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV).

 

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