Bau bezahlbarer Wohnungen

Die Suche nach bezahlbaren Miet- und auch Eigentumswohnungen wird in Gräfelfing immer schwieriger. Die Gemeinde prüft, ob auf dem Doemens-Gelände, an der Würmtalstraße sowie der Heitmeier-Siedlung Baugrund geschaffen werden kann. Weshalb vorschnelle, einseitige Stimmungmache gegen die Projekte fehl am Platze ist, erklärt IGG-Gemeinderat Benno Stübner.

 

Die Suche nach bezahlbaren Miet- und auch Eigentumswohnungen wird in Gräfelfing immer schwieriger. Dies betrifft vor allem Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, Pflegekräfte der Altenheime, Angestellte der örtlichen Betriebe und andere Bürger/innen, die nicht jeden Mietpreis zahlen möchten, bzw. können.

 

Es ist daher die Aufgabe der Gemeinde auch für diese Bürger/innen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dies ist gerade in Gräfelfing eine besonders schwierige Aufgabe, da vor Ort so gut wie keine entsprechenden Bauplätze vorhanden sind und erst recht kaum Baugrund, der im Besitz der Gemeinde ist. Müsste die Gemeinde den Baugrund zurzeit erwerben, stiegen die Baukosten und damit auch die Mieten so stark an, dass im Prinzip keine erschwingliche Miete angeboten werden könnte.

 

Hinzu kommt, dass von der Landesregierung, bzw. im Landesentwicklungsplan (LEP) nahe gelegt wird, die Zentren der Gemeinden nach zu verdichten, wo dies möglich ist. Damit soll der Flächenfraß von freiem Land minimiert werden.

 

Doemens-Gelände und Würmtalstraße als mögliche Baugründe

 

Unter diesen Prämissen wurde in den letzten drei Jahren Baugrund auf die Tauglichkeit für den Bau von Wohnungen gesucht, bzw. überprüft. Im Ortszentrum bietet sich das Gelände der Doemens-Fachschule an. Sie wird in den nächsten sieben bis zehn Jahren ins Gewerbegebiet umziehen. Ein Teil dieses Grundstücks wird der Gemeinde gehören und steht in knapp zehn Jahren zur Verfügung.

 

Allerdings regen sich Widerstände in der Nachbarschaft gegen eine kommende Wohnbebauung. Diese Widerstände werden obendrein von der SPD-Fraktion unterstützt. Und dies, obwohl die SPD in einer ihrer vier Leitlinien für die „soziale Gartenstadt“ (SPD-Homepage 09.07.15) postuliert: Gartenstadt-verträgliche Nachverdichtung mit Schwerpunkt auf der Schaffung bezahlbarer Wohnungen“. Es sei vermerkt, dass es sich bei dem Doemens-Grundstück gar nicht um Nachverdichtung handelt, sondern die derzeitige Geschoßfläche wird in etwa beibehalten.

 

Eine weitere Idee ist die Nutzung der rückzubauenden Fläche der Würmtalstraße. Da das Straßenbauamt den Rückbau der vierspurigen Straße auf zwei Spuren erlaubt, könnte dort Wohnraum entstehen.

 

Studie zur städtebaulichen Entwicklung der Heitmeier-Siedlung

 

Darüber hinaus wird geprüft, in welchem Umfang bezahlbarer Wohnraum als Erweiterung der Heitmeier-Siedlung geschaffen werden könnte. Kürzlich wurde hierzu im Bauausschuss eine „Studie über die städtebauliche Entwicklung der Heitmeier-Siedlung“ vorgestellt. Darin wird vorgeschlagen, dass die östliche, im Gemeindebesitz befindliche Seite der Starnbergerstraße mit Häusern unterschiedlicher Größe bebaut werden könnte, höchstens jedoch E + 2 + Maisonette mit Dachterrasse. Dies sind erste Konzeptüberlegungen und noch keine konkreten Planungen.

 

Die vorgestellten Konzeptüberlegungen würden zu einer stark erhöhten Wohnungszahl (von derzeit 250 auf insgesamt 470 Wohnungen) und einen Anstieg der Bevölkerung von 400 auf 1300 Personen zur Folge haben und einen Eingriff in das Grünland bedeuten.

 

Auf gemeindlichem Grund würde preiswerter Wohnraum für z.B. junge Gräfelfinger vor oder in der Familiengründungsphase und auch für hier lebenden Senioren, Mitarbeiter örtlicher Unternehmen, sowie Beschäftigte in sozialen Einrichtungen in der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden.

 

Die angedachte Erweiterung der Heitmeier-Siedlung hätte eine ausreichende Bewohnerzahl für eine dort auch mitgeplante soziale Infrastruktur zur Folge, wie z.B. ein Kinderhaus mit 2 Kindergarten- und 2 Krippengruppen. Selbst ein neuer Fußgängerüberweg über die Pasinger Straße und eine Verbindung über die Würm zum Paul-Diehl-Park wurde im Zusammenhang der Infrastruktur angesprochen.

 

Diskussion führen statt vorschnell Stimmung machen

 

Sicher ist, dass dieses große Projekt in einzelne Entwicklungsabschnitte unterteilt würde. D.h., es würde eine zeitlich gestaffelte Errichtung der einzelnen Häusergruppen erfolgen. Die Realisierung von solchen dringend benötigten, bezahlbaren Wohnungen könnte vermutlich schon in den nächsten Jahren erfolgen.

 

Dieser Vorschlag verlangt selbstverständlich eine gründliche Diskussion im Gemeinderat, der natürlich auch gegen die Vor- und Nachteile der wenigen anderen Standorte für derartige Wohnungen abgewogen werden muss. Einseitige, vorschnelle Vorfestlegungen oder gar Stimmungmache, ohne die Diskussion im Gemeinderat zu führen, ist wenig hilfreich. Ähnlich wie bei den bisherigen Beschlüssen zum Doemens-Grundstück wurde auch im Fall der Heitmeier-Siedlung eine Diskussion im Bauausschuss seitens der SPD umgangen. In den oben erwähnten Leitlinien der SPD heißt es zwar u.a. „Die Gartenstadt darf kein Selbstzweck sein, sondern muss…soziale Notwendigkeiten und Ziele (insbesondere Bereitstellung bezahlbarer Wohnungen)…weitest möglich in Einklang bringen“. Der Gemeinderat wartet jedoch noch immer darauf, mit welchen konkreten Vorschlägen die SPD dies verwirklichen möchte.

 

Der Gemeinderat in seiner Mehrheit und natürlich auch die IGG können guten Gewissens postulieren: „Wir werden nicht locker lassen, die systematische Planung und den Bau bezahlbarer Wohnungen in Gräfelfing und Lochham anzustoßen und voranzubringen“ (SPD-Aussage zur Wahl 2014).

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