Gräfelfing bekommt eine/n Klimaschutzmanager/in

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Der/die künftige Klimaschutzmanager/in ist gut beraten, wenn er/sie die Bürgerbeteiligung konsequent und vielfältig ermöglicht. Wenn der/die Klimaschutzmanager/in nach drei Jahren wieder geht, dann muss es um des Klimaschutzes willen nachhaltige Strukturen und engagierte Menschen geben, die bleiben und weitermachen.

 

„Gräfelfing bekommt eine/n Klimaschutzmanager/in. Also alles richtig gemacht? Ja und nein!“

Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause dem Antrag der Verwaltung, befristet auf drei Jahre die Stelle eines Klimaschutzmanagers bzw. einer Klimaschutzmanagerin einzurichten, zugestimmt. Diese Stelle wird zu 60 % mithilfe öffentlicher Zuschüsse refinanziert und ist Teil des Umsetzungsprozesses der Energievision des Landkreises München.
An diesem Prozess hat sich – sinnvoller Weise – die Gemeinde Gräfelfing von Anfang an beteiligt. Zur Umsetzung konkreter Klimaschutzmaßnahmen auf Ortsebene erhält Gräfelfing durch den/die Klimaschutzmanager/in nun hauptberufliche, professionelle Unterstützung.
Also alles richtig gemacht? Ja.

Völlig zu Recht hat Bürgermeister Göbel auch in derselben Gemeinderatssitzung betont, dass die =Energiewende vor allem in den Köpfen und Herzen der Bürgerinnen und Bürger= passieren muss. Der Erfolg aller noch so gut gemeinter Maßnahmen bliebe sonst fraglich. Wie wahr angesichts des Desasters um das geplante Biomasseheizkraftwerk auf dem Gelände der Firma Glück im Jahr 2011.
Der Mehrheit des Gemeinderates und dem Bürgermeister steckte damals der Schreck über den Ausgang des Bürgerentscheids so tief in den Knochen, dass man die Einrichtung einer „Bürgerwerkstatt Energiewende Gräfelfing“ (BüWEG) beschloss und in die Tat umsetzte. Ziel war es, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig ins Boot zu holen, ihre Ideen kennen zu lernen und zu nutzen sowie unmittelbar in den politischen Entscheidungsprozess vor Ort einzuspeisen. Zweimal traf man sich zwischen Februar und Mai 2012 in großer Runde. Mehrere Unterarbeitsgruppen entstanden, die eigenverantwortlich für sich arbeiteten. Kritische Stimmen sagten bald: Man hat die Leute in der Bürgerwerkstatt schnell sich selbst überlassen ohne die koordinierende und unterstützende Kraft eines professionellen Projekt-managements.
Dazu gehören u.a. kurz- und mittelfristige Ziele, die gemeinsame Verständigung (Bürger /innen, Kommunalpolitiker/innen und Verwaltung) über Meilensteine auf dem Weg zur Energiewende, die Stärkung der Wirksamkeit der Bürgerwerkstatt in die Ortsgesellschaft hinein durch eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit. All dies und vieles mehr unterblieb. =Es fiel und fällt schwer, bei beiden CSU Bürgermeistern den politischen Willen zu einer ernst gemeinten Partizipation der Bürgerinnen und Bürger zu erkennen=. Also alles richtig gemacht? Nein.

Der/die künftige Klimaschutzmanager/in ist gut beraten, wenn er/sie diese Entwicklungs-geschichte beachtet und Bürgerbeteiligung konsequent und vielfältig ermöglicht. Wenn der/die Klimaschutzmanager/in nach drei Jahren wieder geht, dann muss es um des Klimaschutzes willen nachhaltige Strukturen und engagierte Menschen geben, die bleiben und weitermachen.

Zu guter Letzt: Den grundsätzlichen Stellenwert ernst gemeinter Partizipation in der Kommunalpolitik können die Bürger/innen mit beeinflussen. Eine Gelegenheit ist die Kommunalwahl 2014.

Mathias Pollok (Gemeinderat)

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